Patrick Breitenbach Weblog

(Digitale) Transformation: Leadership by Storytelling

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Die nun folgende Geschichte ist all den mutigen Frauen und Männern gewidmet, die längst erkannt haben, dass ein Wandel unausweichlich bevorsteht und sie dennoch von inneren und äußeren konservativen Kräften in ihren bisherigen Komfortzonen zurückgehalten werden. Diese Geschichte ist nur eine von vielen, die verdeutlichen soll, wie Erzählungen unser Denken und damit auch unser Handeln beeinflussen kann – weitaus stärker als es nackte Zahlen und Fakten tun. Deshalb ist „Storytelling“ so ein wirkmächtiges Instrument in der internen Kommunikation und damit beim größten Anteil der Führungsaufgaben.

Wenn ich mit Unternehmen in den Kontakt komme, unabhängig von deren Größe, frage ich immer sehr schnell und sehr neugierig nach ihrer eigenen Identität. „Guten Tag. Guten Tag. Ja, Wetter ist heute so durchwachsen. Anreise war gut. Ja, aber sagt mal, wer seid ihr eigentlich?“ (Aus Gründen der Dramaturgie hat der Autor an der Stelle bewusst übertrieben). Ich versuche natürlich besonders darauf zu achten, dass die Antwort auf die Frage „Wer seid ihr?“ von den von mir befragten Menschen in Form von persönlichen und spontanen Geschichten aus dem Stegreif formuliert werden. Sonst erhält man schließlich nur glatt frisierte und völlig entseelte x-beliebige „Mission Statements“, an die der Erzähler selbst kaum noch glaubt.

Ich mag also lieber die echten und anderen Geschichten. Also eher Geschichten wie diese hier:

„Vor fast 60 Jahren zog es meinen Vater nach Amerika. Er wollte dem damaligen Muff des Nachkriegsdeutschlands entkommen und in das große Land der Freiheit, des wilden Abenteuers und der unbegrenzten Möglichkeiten reisen. Hier begegnete ihm auf seiner Reise etwas ganz Ungewöhnliches. Etwas, dass er zuvor so noch nie zuvor gesehen hatte. Er war sofort durch und durch elektrisiert und fasste bereits bei dieser ersten Begegnung ganz intuitiv die unerschütterliche Entscheidung: Ich will dieses besondere Etwas, das ich hier gefunden habe, unbedingt mit nach Deutschland nehmen und dort die Menschen genauso zum Staunen bringen, wie es mich hier zum Staunen gebracht hat. Und so entstand unser erstes Produkt und unser heutiges Kerngeschäft. Man kann wohl sagen, das war der zündende Heureka-Moment unseres Unternehmens.“

Diese Geschichte eines Familienunternehmens in zweiter oder dritter Generation könnte man fast schon als archetypisch beschreiben. Also darin steckt ja die Geschichte von großen Pionieren. Frauen und Männer, die auszogen um #Neuland zu entdecken um am Ende Reichtümer, Wissen oder Erfahrungen mit nach Hause zu bringen. Diese Geschichte ist so uralt wie die Menschheit selbst. Daher ist sie ja so archetypisch. Ich selbst habe diese Art von Geschichten – in leichten Variationen – jedenfalls schon mehrfach persönlich in meiner Arbeit mit Unternehmen gehört. Diese Geschichte ist so stark und so attraktiv, dass sie sogar von vielen Mitarbeitern im Unternehmen geteilt wird. Freiweillig. Ohne Instruktion und ohne dass sie sogar selbst diese Pioniere jemals kennengelernt haben. Es scheint manchmal sogar so, als würde der Geist des mittlerweile verstorbenen Pioniers heute immer noch das Unternehmen antreiben – aber eben eher unbewusst. Eine Geschichte, ein Geist, eine Imagination, die Menschen zu führen weiß? Spannend, oder?

Wenn mich Führungskräfte heute fragen, WIE sie denn den (digitalen) Wandel innerhalb ihres Unternehmens gestalten und realisieren können, gerade weil sie oftmals auf konservative Gegenkräfte in ihrer Organisation stoßen, so lautet meine Antwort: Suchen Sie „einfach“ nach echten, bereits vorhandenen Erfolgsgeschichten in Ihrem Unternehmen, die auf ihr jetziges konkretes Transformationsvorhaben einzahlen. Ihr Vorhaben lautet: Wir brauchen Wandel um Wandel erfolgreich zu begegnen. Das heißt, Sie suchen nach echten Geschichten, die bereits belegt haben, wie sich das Unternehmen schon einmal erfolgreich gewandelt hat. Vielleicht in einem ganz anderen Kontext. Aber der Kern „Wandlung + Erfolg“ ist dabei stets die entscheidende Essenz. Und diese Geschichte muss es zwangsläufig auch in Ihrem Unternehmen geben, sonst wären Sie heute schließlich nicht da wo sie nun stehen, am Scheideweg zwischen Erfolg der Vergangenheit und erhofftem Erfolg in der Zukunft. Und wenn Sie diese Geschichten erst einmal gefunden haben, machen Sie diese dann zu einem wichtigen Dreh- und Angelpunkt Ihrer Arbeit als Führungskraft. Spannen Sie diese Geschichten vor den Wagen des Wandels, denn diese Art von Geschichten verbinden die Menschen in Ihrer Organisation. Diese Geschichten sind der nötige gemeinsame Nenner, den Sie als Führungskraft benötigen, um eine neue, große und unsichere Herausforderung mit der Organisation anzutreten.

Die Geschichte der Pioniere, die in die weite Welt auszogen um Abenteuer zu erleben und am Ende mit einem Elixier des Erfolges zurückkehrten, spiegelt übrigens 1:1 die Dramaturgie der sogenannten Heldenreise wieder. Die Heldenreise ist nicht nur die Standardstruktur aller erfolgreichen Geschichten aus Hollywood, sondern zugleich auch ein Sinnbild eines persönlichen Entwicklungsprozesses und damit auch eine geeignete Metapher für Transformation an und für sich. Wandel ist immer mit Risiken, Prüfungen, Herausforderungen, Gegnern, Anstrengungen, Widerständen und eben auch einzelnen Mißerfolgen verbunden. Deshalb verweigern sich ja so viele Menschen dem Ruf dieses Abenteuers. Sie leben schon viel zu lange in einer Komfortzone, die ein längst vergangener Pionier durch seine eigene riskante Reise für sie erst möglich gemacht hat. Bis dann – BÄM – plötzlich eine Krise oder gewaltige Disruption in die beschauliche Alltagswelt einbricht und das betroffene Unternehmen quasi zum Antritt einer Heldenreise zwingt. Vielleicht hilft auch ein Mentor – in Form eines Beraters, Freundes oder inneren Vorbildes – und überzeugt die Heldin doch die Schwelle ins Neuland zu übertreten um die mittlerweile brüchig erscheinende Alltagswelt mit neuen Erfahrungen, Erkenntnissen und Elixieren zu beleben.

Geschichten wie diese dienen als „Proofs of Concept“ für ungewisse Vorhaben, die vielleicht noch keinen unmittelbaren und berechenbaren Profit versprechen und daher keinen erkennbaren ROI aufweisen, eben weil man sich ganz bewusst ins Neuland begeben will. Und diese emotionalen Geschichten (das muss nicht nur eine Pioniergeschichte sein) sind zudem um ein vielfaches überzeugender als jedes noch so gut durchgerechnete und seriöse Excel-Chart eines Controllers. Diese Art von Geschichten vereint Emotion mit echten und authentischen Fakten. Sie entwickeln zudem auch einen Sog für potenzielle Verbündete, also all die Abenteurer in Ihrem Unternehmen, die Intrapreneure, die nur auf den Ruf des Abenteuers gewartet haben. Und zugleich stimmen diese Geschichten die großen Zweifler, Verwalter und Bewahrer eher milde und ruhig, weil sie ja selbst ein Teil dieser großen, vergangenen Abenteuergeschichten sind.

Finden Sie diese Geschichten.
Wenn Sie Unterstützung brauchen, stehe ich Ihnen gerne als Mentor und Storyarchäologe zur Verfügung.

Fortsetzung folgt …

Demnächst in diesem Kopfkino:
Toxische Geschichten: Wie sie Organisationen lähmen und wie man als Führungskraft damit umgehen könnte.

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