Patrick Breitenbach Weblog

Limbischer Limbo: Wut erhält Wut am Leben und das lässt uns ziemlich dumm dastehen.

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Andere Menschen herabsetzen, befriedigt kurzzeitig zwar das eigene limbische System, kurbelt aber zugleich das limbische System des Herabgesetzten wieder an. Und genau das ist Teil des Problems. Es gibt in diesem Szenario keinen Ausstieg aus dem Konflikt. Es ist Teil des Wettrüstens. Wut erzeugt Wut.

Schreiende Kinder schreit man besser auch nicht an – es sei denn man will diese Schreidynamik solange aufrecht erhalten, bis am Ende vielleicht die Ohrfeige diesen limbischen Machtkampf beenden muss. Trotzdem tun das sehr viele Eltern – völlig unabhängig der Bildungsschicht – weil das limbische System immer noch viel stärker aktiv ist als unsere „klugen“ Gehirnareale. Und Angst, Wut etc. versetzen uns in diesen limbischen „roten Modus“. ANGEEEEEEERRRRRR!!!!1!11

„Schmiede das Eisen solange es kalt ist“, sagte mal der kluge Familienpsychologe Haim Omer, der damit zum Ausdruck bringen wollte, dass Erziehung, Bildung, Vernunft keine Chance im wütenden Zustand hat. Ein beruhigter Geist im Vertrauen ist die beste Voraussetzung für Bildungsprozesse. Die Beziehungsebene muss sich zunächst wieder beruhigen, um die Sachebene überhaupt vernünftig betreten zu können.

Deshalb ist Krieg auch eher kein nachhaltiges Mittel gegen den Krieg. Es ist vergleichbar mit der Ohrfeige, die kurzfristig zwar den Konflikt beendet, aber auch eine entsprechende Demütigung und Kränkung in Form eines lange sichtbaren Handabdrucks hinterlässt. Daher muss im Anschluss – der zum Teil offenbar nicht zu vermeidenden Ohrfeige – auch zwingend eine offene Aussöhnung stattfinden, sonst hat man nämlich bereits den nächsten Konflikt vorprogrammiert.

Paradoxe Intervention um den Kreislauf zu durchbrechen wäre vielleicht: Das was man sich wünscht, sollte man nicht nur alltäglich vorleben (was unfassbar anstrengend und schwierig ist) sondern auch mit Aufmerksamkeit und Wertschätzung belohnen und somit im Diskurs nach oben spülen.

Ja, das ist Selektion. Ja, das ist Gatekeeping. Ja, das ist Zivilisierung. Zivilisierung ist eben immer auch mit (Selbst)Zwang und (Selbst)Disziplinierung verbunden und daher so unfassbar anstrengend. Und das in einer Zeit die eh schon anstrengend genug erscheint, weil sie so viel von einem erwartet: Klug sein, schön sein, erfolgreich sein, hilfsbereit sein, zivilisiert sein etc. pp.

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